NINA – MALO A MCHEREZO AM 11.03.2020

NINA – MALO A MCHEREZO AM 11.03.2020

Hallo ihr, der Monat Nummer acht ist angebrochen und niemals hätte ich mir vorstellen können, dass die Zeit so schnell verfliegt. Die Regenzeit hat sich mit einem letzten lauten Gewitter verabschiedet und das Land kaum wiedererkennbar zurückgelassen. Gott sei Dank steht den Menschen Malawis eine gute Ernte bevor. Das Wetter ist wieder viel angenehmer bei Warmen aber endlich nicht mehr schwülen 25-30 Grad. Kaum zu glauben was für eine Bedeutung der Regen für das Leben hier hat. An manchen Tagen hat der Regen den gewöhnlichsten Ablauf durchkreuzt. Meetings sind ausgefallen, die Wäsche ist nie richtig zu Ende getrocknet, bei zu heftigem Gewitter war der Strom weg und außerdem war der Regen eine „all-around“- Ausrede für jede Verspätung. 🙂

Der Februar war rundum ein wunderschöner Monat. Die MCHEREZO Familie ist ein wenig größer geworden, da das Kinderdorf drei neue Kinder aufgenommen hat, die erst kürzlich ihre Eltern verloren haben. Wieder einmal zu sehen wie Liebe ein Kind verändert, ihm sein Lächeln zurück gibt und es mehr und mehr unbeschwert werden lässt, ist Gold wert oder eher unbezahlbar. Sie vergessen ihre traumatisierenden Erinnerungen, kommen wieder zu Kräften und bekommen eine liebevolle Familie. Eines der neuen Kinder ist ein schätzungsweise zwei Jahre altes Mädchen, welches deutlich unterernährt und schwach war. Ihre Oma hat berichtete, dass sie nachts oft weinend aufwachte und nicht gut schlief. Wie sich später rausstellte, hatte die Oma lediglich kein Abendessen für die Kinder, sodass sie nachts vor Hunger aufwachten. Bei uns werden sie und ihre Schwester zurzeit mit extra Mahlzeiten aufgepäppelt und gestärkt. Leider ist sowas in Malawi keine Ausnahme. Oft lernen Kinder erst im dritten Lebensjahr Laufen, weil sie nicht stark genug sind und sich nicht richtig entwickeln können. Kinder, die ihre ersten Lebensjahre gehungert haben wachsen auch später noch sehr viel langsamer, als gesunde Kinder. Etwas, was für unsere Verhältnisse so dermaßen grundlegend ist, fehlt doch vielen Menschen auf der Welt. Solche Tatsachen sind wirklich herzzerreißend, vor allem wenn man dem Schmerz so nahe ist und die traurigen Gesichter kennt, die es verursacht.

Da unsere letzte Einreise nach Malawi (nachdem wir den Einsatz im Kinderdorf in Mosambik gehabt haben) schon drei Monate zurück lag, war es wieder Zeit das Land wegen unseres Visums zu verlassen. Diesmal haben wir die Gelegenheit für einen Urlaub in Sambia genutzt, der es in sich hatte. Auch wenn wir ein wenig länger gefahren sind, als wir Zeit in Sambia verbracht haben, hat es sich sowas von gelohnt. Wir haben nach sechs Monaten zum ersten Mal einen richtigen Supermarkt gesehen. Käse, Joghurt, Wurst alles was einmal selbstverständlich in Kühlregalen zu sehen war, war plötzlich eine Sensation und wir waren von dieser Auswahl überwältigt und sogar ein wenig eingeschüchtert. In der Öffentlichkeit wieder eine Hose zu tragen, einen Fußgängerweg zu betreten und ruckelfreie Straßen zu passieren, war nun außergewöhnlich und wir haben festgestellt, wie sehr wir uns an Afrika „wie man es sich vorstellt“ gewöhnt haben.

Aber schon allein die Fahrt war ein Wunder für sich, überwältigt von kilometerweiten Panoramablicken und klaren Sternenhimmel.Vollkommen umgehauen waren wir dann bei unserem Besuch der Victoriawasserfälle. Wasserfälle, die ohne große Mühe von Gottes Größe zeugen und seine Macht unter Beweis stellen, und dann umzingelt von lauter Regenbögen. Ein Wunder!An so einem Ort musste ich unbedingt die Gelegenheit nutzen, von der 128 Meter hohen Brücke zwischen Sambia und Simbabwe Bungee zu springen und mit unserer Gruppe ein Waterrafting vom Feinsten zu erleben. 🙂 Das war so viel Aufregung in nur drei Tagen, dass es sich deutlich länger anfühlte und so kitschig es auch klingen mag, war das Schönste an dem ganzen Urlaub das „Nachhausekommen“ zum Schluss.

Die Kinder, unsere Mädels, viele Mitarbeiter und wir am meisten, waren voller Freude wieder zusammen zu sein. Da wurde mir zum ersten Mal richtig bewusst, wie furchtbar schwer es wird, diesen Ort und solche wundervollen Menschen im Juli für länger als eine Woche verlassen zu müssen. Unsere Rückkehr haben wir am nächsten Abend mit einem Lagerfeuer beim Kinderhaus gefeiert. Bestimmt wird es mir nicht gelingen von diesem Abend in würdiger Weise nachzuerzählen. Diese Gefühle von Glück, Freude und Heimat waren unbeschreiblich schön. Mit Nsima bei flackerndem Feuer, Sternenhimmel bei Stromausfall, Tanz und Musik zu Trommeln, Glaubensbekenntnisse aus Kinderherzen und Umarmungen voll Liebe.

Und so schön gingen auch die nächsten Tage weiter. Ich genieße es gerade sehr hier in Malawi zu sein und erlebe einen Tag schöner, als den Anderen. Unsere Freiwilligengruppe ist zu einer Familie geworden und jeder von uns schätzt es, dass wir uns so gut zusammenraufen und verstehen. Des Öfteren wurde uns schon gesagt, dass das keine Selbstverständlichkeit ist und sich unsere Gruppe darin als besonders erweist.

Gott sei die Ehre für so viele schönen Erlebnisse, Gemeinschaften und Momente, die für immer bleiben.

Alles Liebe wünscht euch
Nina

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