Nina – MALO A MCHEREZO am 18.12.2019

Nina – MALO A MCHEREZO am 18.12.2019

Hallo ihr, Weihnachten steht vor der Tür und doch gibt es keine Spur von einem Tannenbaum, Spekulatius, Lichterketten, Schnee oder Weihnachtsmärkten. Stattdessen beginnt in Malawi gerade die Regenzeit bei angenehm warmen Temperaturen und beinahe täglichen Gewittern. Langsam aber sicher verwandelt sich das Land von trockener Steppe zu grünen Feldern mit hochgewachsenem Mais. Der Rasen wächst und auch alles andere beginnt zu blühen und zu sprießen.

Die Regenzeit ist vor allem die Lieblingszeit für Mücken, Termiten, Gewürm und einer Menge weiteren Insekten. Das macht sich besonders an den vielen Stichen und mehr Gekrieche im Haus bemerkbar. 🙂 auch die Kinder freuen sich über die ersten Regengüsse, da dies die Zeit ist, in der eine Art von Termiten schlüpfen und aus ihrem Bau geflogen kommen. Die Kinder fangen sie, rupfen ihnen die Flügel ab und essen sie dann als einen kleinen Snack für zwischendurch. Oder aber sie werden mit Salz über dem Feuer geröstet – schmeckt dann wie Popcorn, sagen sie.
Leider kommt mit der Regenzeit auch die Hungerzeit ins Land. Die meisten Vorräte der Menschen sind jetzt aufgebraucht, da die Ernte schon acht Monate her ist und der Regen erst in etwa vier Monaten neue Ernte verspricht. Lebensmittelpreise steigen zurzeit um das Dreifache und Menschen fangen an zu klauen, um ihre Familie durchzubekommen. Besonders arme Menschen ernähren sich gerade ausschließlich von Mangos, da es die Saison hergibt, Mangos sehr, sehr günstig sind und überall wachsen. Kaum vorstellbar wie abhängig die Menschen hier von einer guten Regenzeit und Ernte sind.

Ein wirklich besonderes Ereignis war im letzten Monat der Einsatz für zehn Tage in einem weiteren wunderschönen Kinderdorf von MALO A MCHEREZO in Mosambik. Wir haben die Missionarin besuchen und unterstützen dürfen, die das Dorf seit einigen Jahren mit einem einheimischen Mitarbeiter leitet. Weil das Gelände dort deutlich kleiner ist und die meisten Kinder noch jünger sind als die Kinder bei uns, ist das Leben dort noch viel mehr wie in einer riesen großen Familie. Die Großen kümmern sich gerne und sehr liebevoll um die Kleinen. Diese Atmosphäre habe ich sehr genossen und konnte ganz viel Zeit mit den Kindern verbringen. Die einheimischen Mitarbeiter machen ihre Arbeit offensichtlich mit ganzem Herzen und die Missionarin vor Ort sowieso. Ich habe lange überlegt wie man sie am besten beschreiben könnte. Ich schätze der Satz „Eine Frau über die man Geschichten schreiben kann“ trifft es am besten. Ihren Aufgabenbereich zusammenzufassen ist beinahe unmöglich, weil sie so viel macht und wir konnten so viel von ihr lernen.

Am Prägendsten für mich war jedoch der Sonntag, den wir in Mosambik erlebt haben.
Also bis vor kurzem noch dachte ich, ich komme aus einer Dorfkirche.
Doch als unsere Gruppe am 17.11. einen evangelistischen Gottesdienst in Mosambik in einem abgelegenen Dorf begleiten durfte, habe ich bemerkt, dass mehr Dorf immer geht.
Von diesem Tag voller Eindrücke und wunderschöner Momente möchte ich euch gerne erzählen.
Die Abfahrt war für 8 Uhr morgens geplant. Allerdings leitete der Regen an diesem Morgen die Regenzeit ein, sodass sich an diesem Tag einiges verzögerte.

Weil am Morgen im Kinderdorf kein Strom da war, waren die Kinder noch nicht gebadet und das Frühstück noch nicht fertig. Der Pastor kam einfach gar nicht mehr, weil ihn der Regen so überraschte, dass er dachte der Gottesdienst würde ausfallen. Dem Truckfahrer, der die Kinder abholen sollte, ging es ähnlich. Als alle Leute dann endlich doch informiert und abgeholt wurden, machten wir uns 2 1/2 Stunden später um 10:30 auf den Weg.
Ein furchtbar seltsamer Anblick: 40 Kinder Seite an Seite, hinten auf dem Truck fahren zu sehen, doch für die Kinder nichts Außergewöhnliches.

Am Ziel angekommen, erinnerte der Anblick der Kirche eher an eine Ruine mit Strohdach. Einige der Kinder dort hatten vorher noch nie einen Weißen gesehen -dementsprechend lustig waren ihre Blicke. Das Worshipteam, zwar völlig unvorbereitet auf diese Situation, leitete eine knapp einstündige Worshipsession ein, da viele der Besucher noch nichts von dem Gottesdienst wussten und erst nach und nach eintrudelten. Das alles ganz ohne PowerPoint Präsentation, Instrumente oder Mikros. Stattdessen sind alle Lieder schon längst auswendig im Kopf, es wird geklatscht was das Zeug hält und die Stimmen übertreffen jede Mikrofonlautstärke. Auch in der Kirche hatte man was vom Regen, weil das Dach nicht dicht ist. Gleichzeitig schlängelten sich beißende Ameisen um unsere Füße. Gepolsterte Sitzbänke gab es an dem Sonntag nicht und wenn man aus dem Fenster schaute, konnte man die fleißigen Frauen sehen, die gerade das mitgebrachte Mittagessen für das ganze Dorf schlachteten. Nach drei Stunden neigte sich der Gottesdienst dem Ende zu und ich war voll und ganz begeistert und mitgenommen von der Atmosphäre in dieser Zeit. Wie die Menschen aus ganzem Herzen tanzten, sangen und bezeugten „wir sind auf dem Weg zu Gott und hier ist nicht mein richtiges zu Hause“- so hieß es in einem Lied.

Das Zeugnis von einem Mädchen, das circa 16 Jahre alt ist berührte mich ganz besonders.
Sie war eine lange Zeit in okkulten Praktiken durch ihre Oma verwickelt und singt heute „Jesus ist es, der mich frei macht und durch den ich lebe“. Sie hat sich vor einiger Zeit bewusst dazu entschieden nicht den Weg ihrer Oma zu gehen, obwohl es ihr Ausgrenzung und Verstoßung versprach.

Ich bin richtig dankbar dafür, diese Erfahrungen gemacht zu haben und merke wie mich die Art des Lebens der Menschen hier immer mehr begeistert. Wie viel Besitz und Möglichkeiten wir haben, zeigt unseren materiellen Reichtum, den ich vorher ein ganzes Stück weniger geschätzt habe als jetzt.
Und doch wird das wahre Leben nicht daran gemessen, wie viel wir besitzen. Lukas 12,15

Ich wünsche dir eine gesegnete Weihnachtszeit, in der du wieder neu dem Sinn von Weihnachten auf die Schliche kommst und einen guten Start ins neue Jahrzehnt.

Mit immer noch warmen Sonnengrüßen
Nina

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